
Sonnenschutz | Bewegliche Wohnfassade
Faltschiebeläden am Marthashof in Berlin
An den beiden Kopfbauten des Berliner Wohnquartiers Marthashof installierte Colt 210 geschosshohe Faltschiebeläden. Die gelochten Aluminiumelemente bilden eine bewegliche zweite Gebäudehülle für Sonnen- und Sichtschutz.
Zweite Gebäudehülle für Loggien und Balkone
Der Marthashof liegt zwischen Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg. Das U-förmig angelegte Wohnquartier öffnet sich zu einem begrünten Innenhof. An den beiden Kopfbauten zur Schwedter Straße prägen geschosshohe Faltschiebeläden die Fassaden.
Die beweglichen Elemente übernehmen mehrere Aufgaben. Vor den Loggien, Balkonen und großflächig verglasten Innenräumen begrenzen sie direkte Sonneneinstrahlung und reduzieren Einblicke. Gleichzeitig bleiben sie durch ihre Lochung licht- und luftdurchlässig. So entsteht kein vollständig geschlossener Fassadenabschluss.
Die Bewohner können die Schiebeläden manuell öffnen, schließen und in verschiedenen Zwischenpositionen arretieren. Dadurch verändert sich die Fassade abhängig von Tageszeit, Witterung und individueller Nutzung. Geöffnete Anlagen geben den Blick auf unterschiedlich gestaltete Außenbereiche und Innenräume frei. In geschlossener Stellung bilden sie eine zusammenhängende, erdfarbene Hülle vor den Gebäuden.
Das Konzept wurde von den Architekten Armand Grüntuch und Almut Ernst gemeinsam mit den Bauherren entwickelt. Colt übertrug die gestalterischen Vorgaben in eine technisch bewegliche Metallkonstruktion. Konstruktion, Lochbild, Farbgebung und Bedienung wurden dabei als zusammenhängende Fassadenlösung ausgeführt.
Case History
Projekt: Wohnquartier Marthashof
Ort: Berlin, Deutschland
Gebäudetyp: Wohnungsbau
Anforderungsprofil: Transparente zweite Gebäudehülle sowie steuerbarer Sonnen-, Blend- und Sichtschutz
Lösung: Manuell bedienbare Faltschiebeläden und starre Lochblechverkleidungen
Produkt: Faltschiebeläden

Mehr als 1.000 Lochbleche bilden die Fassadenstruktur
Colt installierte an den beiden Kopfbauten insgesamt 210 Faltschiebeladenanlagen. Die Mehrzahl besteht aus vier Teilen, einzelne Anlagen wurden zweiteilig ausgeführt. Jede Konstruktion besitzt ein feststehendes Element sowie drei beziehungsweise ein bewegliches Element.
Insgesamt kamen mehr als 1.000 Blechelemente zum Einsatz. Etwa 700 davon sind beweglich. Weitere rund 400 starre Lochbleche ergänzen die Fassadenflächen und wurden mit demselben Dekor wie die beweglichen Läden ausgeführt. Dadurch entsteht auch über nicht bewegliche Bereiche hinweg ein einheitliches Erscheinungsbild.
Die geschosshohen Elemente sind zwischen 3,20 und 3,40 Meter hoch. Ihre Breite variiert zwischen 550 und 600 Millimetern. Eine Profilkonstruktion nimmt die Läden auf und ist über Stahlkonsolen mit dem Baukörper verbunden.
Die beweglichen Elemente hängen oben an Rollapparaten aus dem Schiebeladenprogramm. An der Unterseite laufen sie mit POM-Rollen in Führungsschienen. Scharniere verbinden die einzelnen Flügel und ermöglichen das Zusammenfalten beim Öffnen.
Die rein manuelle Bedienung verzichtet auf Motoren und automatische Steuerungen. Über einen Verriegelungshebel wird die Anlage gelöst, verschoben und in einer der fünf vorgesehenen Öffnungspositionen arretiert. Die Bewohner können den Fassadenabschluss damit direkt an ihre jeweilige Nutzung anpassen.
Fünf definierte Stellungen
Manuelle Bedienung passt den Öffnungsgrad an
Zum Öffnen wird zunächst der Verriegelungshebel betätigt. Anschließend lassen sich die miteinander verbundenen Elemente entlang der oberen und unteren Führung verschieben und zusammenfalten.
Für jede Anlage sind fünf Öffnungspositionen vorgesehen. Nach dem Verschieben können die Läden in der gewünschten Stellung arretiert werden.
Damit lassen sich Sonneneintrag, Sichtschutz und Ausblick schrittweise verändern. Eine teilweise geöffnete Position schützt einzelne Bereiche, während andere Flächen der Loggia oder Verglasung frei bleiben. Die Bedienung erfolgt unmittelbar durch die Bewohner und benötigt weder elektrische Antriebe noch eine zentrale Steuerung.

Glyzinien-Lochung verbindet Funktion und Fassadengestaltung
Die Faltschiebeläden bestehen aus farbeloxiertem Aluminiumlochblech. Ihr dunkelbrauner Erdton bildet einen Kontrast zu den helleren Gebäudeflächen und nimmt zugleich die natürliche Gestaltung des begrünten Innenhofs auf.
Das Dekor der Lochung orientiert sich am Blätterwerk von Glyzinien, auch Blauregen genannt. Diese Rankpflanze findet sich an Pergolen und Loggien des Wohnquartiers wieder. Das florale Motiv stellt damit einen direkten Bezug zwischen Fassadenverkleidung und Freiraumgestaltung her.
Obwohl die Elemente aus Metall bestehen, erzeugen Lochbild, Faltung und wechselnde Lichtreflexionen eine leichte Wirkung. Bei geschlossenen Läden fällt Tageslicht durch die Öffnungen und bildet unterschiedliche Licht- und Schattenmuster in den dahinterliegenden Räumen und Außenbereichen.
Die Rundlöcher besitzen einen Durchmesser von vier Millimetern. Nach den Projektdaten erreicht die Konstruktion einen Fc-Wert von höchstens 0,3. Der Wert beschreibt den Einfluss der Verschattung auf den solaren Energieeintrag im Vergleich zur ungeschützten Verglasung.
Durch das Zusammenspiel von beweglichen und starren Lochblechen bleibt das Fassadenbild auch bei unterschiedlichen Öffnungsstellungen zusammenhängend. Die festen Elemente führen Material, Farbe und Dekor fort, während die Faltschiebeläden auf die individuelle Nutzung reagieren.
Damit übernimmt die zweite Gebäudehülle sowohl bauphysikalische als auch architektonische Aufgaben: Sie begrenzt direkte Sonneneinstrahlung, schützt vor Einblicken und erzeugt ein Fassadenbild, das sich laufend verändert.
Sonnen- und Sichtschutz
Perforierte Flächen erhalten Licht und Ausblick
In geschlossener Stellung reduzieren die Faltschiebeläden direkte Sonneneinstrahlung und unerwünschte Einblicke in Wohnungen, Loggien und Balkone.
Die Lochung verhindert zugleich, dass die Fassade vollständig geschlossen wirkt. Licht, Luft und schemenhafte Ausblicke bleiben durch die perforierten Metallflächen möglich.
Je nach Sonnenstand und gewünschter Privatheit können die Bewohner einzelne Anlagen öffnen oder schließen. So entstehen unterschiedliche Schutzgrade, ohne dass ein einheitlicher Fassadenzustand für das gesamte Gebäude vorgegeben wird.

Fassaden für Wohnbauten
Faltschiebeläden mit Colt planen
Colt entwickelt manuelle und angetriebene Schiebeladensysteme für Wohngebäude, Hotels und öffentliche Bauten. Material, Lochbild, Führung, Faltung und Bedienung werden auf Fassadengeometrie, Sonnenschutzanforderungen und architektonisches Konzept abgestimmt.
FAQ
Welche Faltschiebeläden wurden am Marthashof installiert?
Colt installierte an den beiden Kopfbauten insgesamt 210 Faltschiebeladenanlagen. Die meisten Anlagen bestehen aus vier Teilen, einige aus zwei Teilen. Jede Ausführung besitzt ein feststehendes und drei beziehungsweise ein bewegliches Element. Insgesamt wurden mehr als 1.000 Blechelemente eingesetzt, davon etwa 700 beweglich und rund 400 als starre Fassadenverkleidung.
Welche Funktionen übernehmen die Schiebeläden?
Die Faltschiebeläden dienen als außenliegender Sonnen- und Sichtschutz. Sie begrenzen direkte Sonneneinstrahlung vor Loggien, Balkonen und verglasten Innenräumen. Gleichzeitig reduzieren sie unerwünschte Einblicke. Durch die Lochung bleiben Lichtdurchlass, Luftaustausch und ein eingeschränkter Sichtbezug nach außen erhalten. Die individuelle Positionierung ermöglicht unterschiedliche Schutz- und Öffnungsgrade.
Wie werden die Anlagen geöffnet und geschlossen?
Die Schiebeläden werden ausschließlich manuell bedient. Nach dem Lösen eines Verriegelungshebels lassen sich die Elemente entlang der Führungsschienen verschieben und falten. Insgesamt stehen fünf Öffnungspositionen zur Verfügung. In der gewünschten Stellung wird die Anlage wieder arretiert. Elektrische Antriebe oder eine automatische Sonnenstandsnachführung sind bei diesem Projekt nicht vorgesehen.
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