Vertikale Sonnenschutzlamellen am Bosch-Kundenzentrum

Für das neue Kundenzentrum von Robert Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd realisierte Colt eine Fassade aus beweglichen und starren Shadometal-Lamellen. Die SolTronic-III-Steuerung stimmt Verschattung, Blendschutz und Tageslichteintrag auf Sonnenstand, Gebäudeschatten und Witterung ab.

Sonnenschutz für zwei unterschiedlich ausgerichtete Gebäudekörper

Das 2018 fertiggestellte Kundenzentrum von Robert Bosch Automotive Steering besteht aus zwei geschwungenen Gebäudekörpern mit vier beziehungsweise sechs Geschossen. Aufgrund ihrer Geometrie und Ausrichtung sind die Fassaden im Tagesverlauf unterschiedlichen Sonneneinstrahlungen ausgesetzt. Zusätzlich verschatten sich die Gebäudeteile abhängig vom Sonnenstand teilweise gegenseitig.

Die Sonnenschutzfassade sollte deshalb nicht nur direkte Einstrahlung begrenzen. Gefordert war ein System, das den Tageslichteintrag und den Blendschutz in den Bürobereichen bedarfsgerecht steuert und dabei bereits vorhandene Gebäudeschatten berücksichtigt. Gleichzeitig sollte die Lamellenstruktur die gekrümmte Architektur des Kundenzentrums aufnehmen und ein eigenständiges Fassadenbild erzeugen.

Colt setzte dafür vertikale Shadometal-Lamellen in Verbindung mit einer SolTronic-III-Steuerung ein. Insgesamt wurden 3.700 Quadratmeter Aluminiumlamellen beweglich ausgeführt. Weitere 1.100 Quadratmeter sind starr an der Fassade befestigt.

Die Kombination aus festen und nachgeführten Elementen ermöglicht es, die Sonnenschutzfunktion an die jeweiligen Fassadenbereiche anzupassen. Während die starren Lamellen dauerhaft verschatten, verändern die beweglichen Elemente ihre Position abhängig von Helligkeit, Sonnenstand, Temperatur und Witterung.

Projekt: Kundenzentrum Robert Bosch Automotive Steering GmbH

Ort: Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, Deutschland

Gebäudetyp: Vier- und sechsgeschossiges Kundenzentrum sowie Mitarbeiterparkhaus

Anforderungsprofil: Außenliegender Sonnenschutz und Blendschutz

Lösung: Bewegliche und starre vertikale Metalllamellen mit automatischer Sonnenschutzsteuerung

Produkt: Shadometal

1.910 mäanderförmige Aluminiumlamellen prägen die Fassade

Am Kundenzentrum installierte Colt insgesamt 1.910 vertikale Aluminiumlamellen. Die einzelnen Elemente sind zwischen dreieinhalb und etwas mehr als vier Meter lang und knapp 70 Zentimeter breit. Sie bestehen aus gelochten, pulverbeschichteten beziehungsweise eloxierten Aluminiumblechen.

Eine Besonderheit ist die mehrfach um 90 Grad abgekantete Form. Dadurch besitzt jede Lamelle einen mäanderförmigen Querschnitt. Wenn sich die beweglichen Elemente drehen, verändern sich Überlagerung, Schattenwurf und sichtbare Tiefe der Fassade. Abhängig vom Betrachtungswinkel und von der Lamellenstellung entsteht so eine wechselnde Rhythmisierung der Gebäudehülle.

Bis zu sechs Lamellen sind zu einer gemeinsam bewegten Gruppe gekoppelt. Die Gruppen lassen sich um ihre vertikale Achse in einem Bereich von bis zu 110 Grad verstellen. Auf diese Weise kann die Fassade zwischen einer weit geöffneten Stellung für hohen Tageslichteintrag und einer stärker geschlossenen Position für Sonnen- und Blendschutz wechseln.

Bei Konstruktion und Antrieb wurde besonderer Wert auf einen geräuscharmen und wartungsarmen Betrieb gelegt. Das war vor allem wegen der unmittelbaren Nähe zu den Büroarbeitsplätzen relevant. Die perforierten Metallflächen unterstützen zugleich die gestalterische Wirkung der Lamellen und reduzieren die Geschlossenheit der großformatigen Fassadenelemente.

Shadometal kann nach Angaben von Colt horizontal oder vertikal sowie starr oder beweglich als zweite Fassadenebene eingesetzt werden.

SolTronic III regelt Licht und Verschattung

Ein zentraler Sensor erfasst die Außenhelligkeit über einen Bereich von 360 Grad. Überschreitet sie den eingestellten Grenzwert, führt SolTronic III die beweglichen Lamellen entsprechend dem aktuellen Sonnenstand nach.

Eine zusätzliche Verschattungsautomatik prüft, ob Fenster bereits durch benachbarte Gebäude oder durch das Kundenzentrum selbst verschattet werden. In diesen Bereichen fahren die Lamellen in eine Parkposition, die einen größeren Tageslichteintrag ermöglicht.

Damit wird nur dort verschattet, wo tatsächlich direkte Sonneneinstrahlung auftritt. Das unterstützt den Blendschutz an den Arbeitsplätzen, ohne die Innenräume unnötig zu verdunkeln.

Wetterstation koordiniert Temperatur- und Anlagenschutz

Die SolTronic-III-Steuerung verarbeitet neben Helligkeit und Sonnenstand weitere Messwerte. Eine Wetterstation erfasst die Außentemperatur und stellt die Daten für eine zeitgesteuerte Thermoautomatik bereit. Abhängig von Saison und festgelegten Temperaturwerten können die Lamellen geöffnet oder geschlossen werden.

Während der Winterperiode wird eine geschlossene Stellung genutzt, um die Auskühlung der Gebäudehülle zu begrenzen. In der Sommerperiode können die Lamellen innerhalb des beschriebenen Betriebskonzepts geöffnet werden. Die konkrete Position ergibt sich dabei aus dem Zusammenspiel von Sonnen-, Verschattungs- und Temperatursteuerung.

Auch der Schutz der großformatigen Fassadenelemente vor ungünstigen Wetterbedingungen ist in die Automatisierung eingebunden. Die Wetterstation misst Windgeschwindigkeit und Niederschlag. Aus Außentemperatur und Niederschlag wird zusätzlich eine mögliche Vereisungsgefahr abgeleitet. Werden die festgelegten Bedingungen erreicht, fahren die Lamellengruppen automatisch in eine definierte Schutzposition.

Darüber hinaus ist die Sonnenschutzsteuerung mit der Brandmeldeanlage verbunden. Im Brandfall werden die beweglichen Elemente in eine vorgegebene Zwangsstellung gefahren. Damit reagiert die Fassade nicht nur auf Komfort- und Energieparameter, sondern auch auf sicherheitsgerichtete Signale.

Am zugehörigen Mitarbeiterparkhaus wurde ein anderes Fassadenprinzip umgesetzt. Colt installierte dort starre Metalllamellen auf 4.600 Quadratmetern sowie 280 Quadratmeter Streckmetall. Die Ausführung berücksichtigt damit die funktionalen Anforderungen eines offenen Parkhauses und setzt zugleich die Materialität des Kundenzentrums fort.

Starre Metalllamellen verkleiden das Mitarbeiterparkhaus

Das Mitarbeiterparkhaus bietet Platz für 818 Fahrzeuge. Colt verkleidete 4.600 Quadratmeter der Fassade mit starren Metalllamellen. Weitere 280 Quadratmeter wurden mit Streckmetall ausgeführt.

Anders als am Kundenzentrum übernehmen die Elemente keine automatische Sonnenstandsnachführung. Die offene Fassadenstruktur unterstützt die für das Parkhaus erforderliche Luftdurchlässigkeit und bildet zugleich eine geordnete Gebäudehülle.

Durch den Einsatz metallischer Fassadenelemente entsteht eine gestalterische Verbindung zwischen Kundenzentrum und Parkhaus, obwohl beide Gebäude unterschiedliche funktionale Anforderungen besitzen.

Bewegliche Fassadenlamellen mit Colt planen

Colt entwickelt starre und bewegliche Metalllamellensysteme für Bürogebäude, Parkhäuser und öffentliche Bauten. Lamellengeometrie, Antrieb und Steuerung werden auf Fassadenausrichtung, Sonnenstand, Verschattung, Witterung und Gebäudenutzung abgestimmt.

FAQ

Wie funktioniert die Sonnenschutzfassade am Bosch-Kundenzentrum?

Die Fassade besteht aus starren und beweglichen vertikalen Shadometal-Lamellen. Bis zu sechs bewegliche Elemente sind zu einer Gruppe gekoppelt und können um bis zu 110 Grad gedreht werden. Die SolTronic-III-Steuerung richtet die Lamellen abhängig von Außenhelligkeit, Sonnenstand, Gebäudeschatten, Temperatur und Witterung aus. Dadurch lassen sich direkte Sonneneinstrahlung und Blendung reduzieren, während in bereits verschatteten Fassadenbereichen mehr Tageslicht in die Innenräume gelangen kann.

Wie viele Sonnenschutzlamellen wurden installiert?

Am Kundenzentrum wurden insgesamt 1.910 vertikale Aluminiumlamellen montiert. Sie sind zwischen dreieinhalb und etwas mehr als vier Meter lang und knapp 70 Zentimeter breit. 3.700 Quadratmeter der Lamellenfassade wurden beweglich ausgeführt; weitere 1.100 Quadratmeter sind starr befestigt. Am Mitarbeiterparkhaus kamen zusätzlich 4.600 Quadratmeter starre Metalllamellen und 280 Quadratmeter Streckmetall zum Einsatz.

Wie berücksichtigt die Steuerung bereits verschattete Fenster?

Die SolTronic-III-Steuerung verfügt über eine Verschattungsautomatik. Sie berücksichtigt, ob einzelne Fensterflächen durch benachbarte Bebauung oder durch Teile des Kundenzentrums bereits im Schatten liegen. Ist keine zusätzliche Verschattung erforderlich, fahren die betroffenen Lamellen in eine Parkposition, die einen größeren Lichteinfall ermöglicht. Dadurch wird vermieden, dass bereits geschützte Büroräume unnötig abgedunkelt werden.

Wie schützt sich die Sonnenschutzanlage bei Wind und Frost?

Die Wetterstation misst Windgeschwindigkeit, Niederschlag und Außentemperatur. Aus diesen Werten ermittelt die Steuerung unter anderem eine mögliche Vereisungsgefahr. Werden die für die Anlage festgelegten Bedingungen erreicht, fahren die beweglichen Lamellen automatisch in eine definierte Schutzposition. Dadurch wird die mechanische Belastung von Lamellen, Lagern und Antrieben bei ungünstigen Wetterlagen begrenzt.

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