
Sonnenschutz | Sonnenschutz im Plenarsaal
Sonnenschutzlamellen am Landtag Düsseldorf
Für den kreisrunden Plenarsaal des Landtags Nordrhein-Westfalen realisierte Colt eine außenliegende Sonnenschutzanlage mit beweglichen Solarfin-Aluminiumlamellen. Die automatische Steuerung verbindet Blendschutz, Tageslichtnutzung und die Reduzierung sommerlicher Kühllasten.
Außenliegender Sonnenschutz für das kreisförmige Glasdach
Der Landtag Nordrhein-Westfalen liegt am Düsseldorfer Rheinknie und ist durch eine kreisförmige, offene Gebäudestruktur geprägt. Sechs halbrunde Gebäudeteile gruppieren sich um den zentralen Plenarsaal und nehmen dessen Geometrie auf. Das Dach des Plenarsaals besteht aus unterschiedlich geneigten, vollständig verglasten Sheds, die auf fünf Ebenen angeordnet sind.
Zwölf strahlenförmig verlaufende Träger gliedern das runde Dach in einzelne Segmente. Da jedes Segment einen Winkel von 30 Grad einnimmt und die Sheds in verschiedene Himmelsrichtungen zeigen, unterscheiden sich Sonneneinstrahlung und Verschattung je nach Position und Tageszeit deutlich.
Die vorhandene innenliegende Sonnenschutzanlage entsprach nicht mehr den Anforderungen an Blendschutz, Energieverbrauch und Wartung. Das Architekturbüro Eller & Eller und das Fachplanungsunternehmen Drees & Sommer entwickelten deshalb eine neue außenliegende Lamellenanlage.
Colt übernahm Bau und Installation des Systems. Zum Einsatz kamen bewegliche Aluminiumlamellen des Typs Solarfin, die sich in die bestehende Dachkonstruktion einfügen. Der außenliegende Sonnenschutz reduziert die Einstrahlung bereits vor der Verglasung. Dadurch werden Blendung im Plenarsaal und solare Wärmeeinträge begrenzt, bevor sie das Raumklima beeinflussen.
Case History
Projekt: Landtag Nordrhein-Westfalen
Ort: Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Gebäudetyp: Parlamentsgebäude mit kreisrundem Plenarsaal
Anforderung: Beschattung, Lichtlenkung, Blendschutz und Reduzierung des Energiebedarfs
Lösung: Außenliegende, bewegliche Aluminiumlamellen mit automatischer Sonnenstandsnachführung
Produkt: Solarfin-Großlamellensystem

Drei Betriebsarten regeln Blendung und Tageslichteintrag
Die Sonnenschutzsteuerung unterscheidet drei grundlegende Betriebszustände. In der geöffneten Stellung stehen die Lamellen senkrecht zu den jeweils zugeordneten Glasscheiben. Dadurch gelangt möglichst viel Tageslicht in den Plenarsaal. In der geschlossenen Stellung liegen die Lamellen parallel zur Verglasung und begrenzen den direkten Lichteinfall.
Die dritte Betriebsart ist die Tageslichtautomatik. Sie verhindert direkte Blendung, hält die Lamellen jedoch so weit geöffnet, wie es unter den aktuellen Bedingungen möglich ist. Damit wird die Verschattung nicht pauschal über das gesamte Dach aktiviert, sondern an Sonnenstand, Ausrichtung und Nutzung des Saals angepasst.
Die Prioritäten ändern sich mit Jahreszeit und Belegung. Im Winter kann direkte Sonneneinstrahlung zur Unterstützung der Raumwärme genutzt werden, sofern keine Blendung entsteht. Im Sommer steht bei ungenutztem Saal die Reduzierung der Kühllast im Vordergrund. Während einer Plenarsitzung hat die Blendfreiheit Vorrang.
Die Anlage kann zudem vollständig manuell geschlossen werden. Diese Funktion ermöglicht beispielsweise eine Verdunkelung des Plenarsaals für Präsentationen.
Das System wurde mit der neuen LED-Beleuchtung abgestimmt. Sonnenschutz und Kunstlicht können dadurch gemeinsam betrachtet werden: Die Lamellen begrenzen störende Direktstrahlung, während das Beleuchtungssystem den verbleibenden Lichtbedarf deckt. So wird der Betrieb nicht allein auf maximale Verschattung, sondern auf ein ausgewogenes Verhältnis von visueller Qualität und Energieeinsatz ausgerichtet.
Präzise Sonnenstandsnachführung
Lamellengruppen bewegen sich alle 15 Minuten
Die Solarfin-Lamellen sind in Gruppen von jeweils fünf Elementen zusammengefasst. Die automatische Nachführung verändert ihre Stellung alle 15 Minuten um 3,75 Grad.
Aufgrund der kreisförmigen Dachgeometrie stehen die Lamellen einer Gruppe relativ zur zugehörigen Glasscheibe gleich, weisen zur Sonne jedoch leicht unterschiedliche Winkel auf. Die Gruppen werden deshalb etwas stärker geschlossen, als es für ein einzelnes Element erforderlich wäre.
Ein Dachsegment umfasst 30 Grad des Gesamtrunds. Bei direkter Einstrahlung können die Lamellen in einem solchen Segment nach den Projektangaben etwa zwei Stunden geschlossen bleiben. Die elliptische Form der Solarfin-Lamellen unterstützt den Tageslichteintrag auch bei weitgehend geschlossener Anlage.

Weniger Kühllast durch abgestimmte Lamellenpositionen
Die neue Sonnenschutzanlage sollte nicht nur die Arbeitsbedingungen im Plenarsaal verbessern, sondern auch den Energiebedarf des Gebäudes reduzieren. Besonders relevant ist dabei die sommerliche Kühllast. Trifft direkte Sonneneinstrahlung auf die großflächigen Glassheds, gelangt ein erheblicher Teil der solaren Energie in den Innenraum und muss anschließend über die Gebäudekühlung abgeführt werden.
Die außenliegenden Lamellen begrenzen diesen Wärmeeintrag bereits vor der Verglasung. Nach Angaben des Gebäudemanagements des Landtags NRW sollte die neue Sonnenschutzanlage den Stromverbrauch für die Kühlung um rund 33.500 Kilowattstunden pro Jahr senken. Die daraus erwartete Energiekosteneinsparung wurde zum Zeitpunkt des Projekts mit etwa 5.000 Euro jährlich angegeben.
Zusätzliche Einsparungen wurden durch die parallel erneuerte LED-Beleuchtungsanlage erwartet. Für diese wurden rund 250.000 Kilowattstunden beziehungsweise etwa 45.000 Euro pro Jahr genannt. Beide Systeme wurden funktional aufeinander abgestimmt: Die Lamellen lassen möglichst viel nutzbares Tageslicht zu, während die Beleuchtung den verbleibenden Bedarf ergänzt.
Die tatsächliche Lamellenposition ergibt sich aus mehreren Anforderungen. Blendfreiheit besitzt bei belegtem Plenarsaal Vorrang. Bei Nichtbelegung können je nach Jahreszeit Heiz- oder Kühlenergie stärker berücksichtigt werden. Für Präsentationen steht eine vollständige Verdunkelungsstellung zur Verfügung.
Die Modernisierung verbindet damit außenliegenden Sonnenschutz, Tageslichtlenkung und Gebäudetechnik. Statt einer starren Verschattung reagiert die Anlage auf Nutzung, Sonnenstand und energetische Betriebsziele.
Elliptische Großlamellen
Solarfin verbindet Verschattung und Tageslichtlenkung
Die elliptische Form der Solarfin-Lamellen beeinflusst den Lichteinfall abhängig vom jeweiligen Drehwinkel. Selbst bei einer weitgehend geschlossenen Stellung bleibt zwischen den Elementen ein kontrollierter Tageslichteintrag möglich.
Damit unterstützt das System zwei gegensätzliche Anforderungen: Direkte Sonnenstrahlung und Blendung werden begrenzt, während diffuses Tageslicht weiterhin in den Plenarsaal gelangen kann.
Die Lamellen sind den unterschiedlich geneigten Glassheds zugeordnet und folgen deren trapezförmiger Geometrie. Durch die gruppenweise Steuerung kann jedes Dachsegment entsprechend seiner Ausrichtung und aktuellen Sonneneinstrahlung positioniert werden.

FAQ
Welche Sonnenschutzanlage wurde am Landtag Düsseldorf installiert?
Colt installierte eine außenliegende Sonnenschutzanlage mit beweglichen Solarfin-Aluminiumlamellen. Die Elemente sind den unterschiedlich geneigten Glassheds des kreisrunden Plenarsaaldachs zugeordnet. Sie lassen sich automatisch nach dem Sonnenstand ausrichten und in den Betriebsarten offen, geschlossen oder Tageslichtautomatik betreiben. Ziel sind Blendschutz, kontrollierter Tageslichteintrag und eine geringere sommerliche Kühllast.
Wie funktioniert die Tageslichtautomatik?
Die Tageslichtautomatik richtet die Lamellen so aus, dass keine direkte Sonnenstrahlung zu Blendung im Plenarsaal führt. Gleichzeitig bleiben die Elemente so weit geöffnet, wie es die aktuelle Sonnenposition zulässt. Auf diese Weise wird nicht stärker verschattet als erforderlich. Diffuses Tageslicht kann weiterhin genutzt werden, während störende Direktstrahlung abgeschirmt wird.
Wie reduziert die Sonnenschutzanlage den Energiebedarf?
Die außenliegenden Lamellen begrenzen die solaren Wärmeeinträge durch die verglasten Sheds. Dadurch sinkt die Kühllast des Plenarsaals. Nach den Projektangaben wurde eine jährliche Stromeinsparung von etwa 33.500 Kilowattstunden für die Kühlung erwartet. Gleichzeitig unterstützt die Steuerung die Tageslichtnutzung, sodass Sonnenschutz und künstliche Beleuchtung gemeinsam auf einen bedarfsgerechten Betrieb ausgerichtet werden können.
Kann der Plenarsaal vollständig verdunkelt werden?
Ja. Neben der automatischen Regelung kann die gesamte Lamellenanlage manuell geschlossen werden. Diese Betriebsart ermöglicht eine weitgehende Verdunkelung des Plenarsaals, beispielsweise für Präsentationen. Die manuelle Vorgabe übersteuert in diesem Fall die normale sonnenstandsabhängige Positionierung.
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